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  • Lynn Josefine

Was ist Feminist Yoga?


Queer-Feminismus ist für mich die sinnvolle und notwendige politische Orientierung meiner Yoga Praxis.

Feminismus - als politische Philosophie - bedeutet für mich, die kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlich geprägten Vorstellung davon, wie wir sein sollten. Ganz allgemein, aber auch vor allem, weil wir als "weiblich" oder "männlich" gelesen werden bzw. uns selbst als Frau oder Mann verstehen.

Yoga - das bedeuten "Verbindung". Verbinden mit dem was wirklich ist. Mit dem, was wir wirklich sind, unabhängig von unserem Geschlecht, unser sexuellen Orientierung, unserer Hautfarbe und körperlichen Fähigkeiten. Es sind Übungen, sowohl körperliche, als auch geistige, die uns beibringen, wie wir hinter das Geplapper unseres sozial und kulturell konditioniertem Geist schauen können. In der Stille, die so entsteht, können wir Vertrauen finden - ineinander, aber vor allem auch in uns selbst.

In vielerlei Hinsicht, bietet der Feminismus somit die weltliche, intellekuelle Theorie, zu der gefühlsbetonte, selbstreflektive Yoga Praxis. Während feministische Analysen zum Beispiel aufzeigen, dass die Schönheitsideale, nach denen wir unsere Körper bewerten und (ver/be)urteilen, kulturelle Konstrukte sind, können uns die Werkzeuge der yogischen Praxis, wie z.B. die Achtsamkeit (also das liebevoll, neugierige Beobachten unserer Gedanken und Gefühle) helfen wahrzunehmen, wie sich diese Glaubenssätze, in unseren Psychen und in unseren Körpern zeigen. Anstatt uns mit internalisierten Selbst-Hass-Tiraden zu besserer Leistung, dünneren Oberschenkeln, oder stärkeren Bizeps anzuspornen, kultivieren wir im Yoga eine liebevolle, geduldige, mitfühlende Haltung uns selbst gegenüber.

Für mich ist die feminstische Analyse also sowas wie der politische Boden, auf dem ich meine Yoga Matte ausrolle. Zusammen sind sie für mich das Handwerkzeug mit dem Veränderung möglich wird. Eine Veränderung weg von einer heteronormativen, sexistischen, kapitalistischen Kultur der Scham und des "nie genug" hin zu einer tieferen Verbindung mit uns Selbst, unseren Mitmenschen und der Natur. Beim Yoga, wie im feministischem Diskurs, befreien wir nicht nur uns selbst, sondern kultivieren auch genau die Qualitäten, die unserer Welt fehlen: Mitgefühl, mit uns selbst und anderen, Vertrauen in unser Potenzial und Mut für die Welt einzustehen, in der wir leben wollen.

​ Queer-feministisches Yoga bedeutet für uns, dass wir jeden Körper, als einzigartig und perfekt ansehen - egal ob dieser Körper dem Ideal von "Mann*" oder "Frau*" entspricht, ob er produktiv ist, faul, schön, symetrisch, lieb oder wütend. Es bedeutet, dass wir jede*r von Euch zutrauen, selbst die beste Entscheidung für sich und ihren/seinen Körper zu treffen. Dass wir trauma-sensibel unterrichten. Es bedeutet auch, dass wir in dem Bewusstsein unterrichten, dass keine Selbsterfahrung im Luftleerenraum geschiet, sondern all unsere Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen geprägt sind, durch das Leben in einer patriachalen, rassistischen und kapitalistischen Welt. (Queer-)Feministisches Yoga ist bedingungslos liebevoll allem menschlichen gegenüber. Diese Form des Yoga ist eine kollektive Bewegung bei der wir durch das bewusste Erleben des eigenen Körpers, allmählich verinnerlichte Werte eines mysogynen (frauenverachtend) Sytsems zunächst in uns, und ultimativ in der Welt transformieren... Jede*r für sich, und alle gemeinsam.

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